©Casper Rila
Rocky Hehakaija hat ein persönliches Entwicklungsprogramm, das Jugendliche durch Straßenfußball zu Vorbildern ausbildet. Basierend auf der Philosophie: Wenn du das Beste aus dir herausholst, kannst du einen positiven Unterschied in deiner Gemeinschaft machen.
Als kleines Mädchen träumte Rocky von einer Sache: Fußballspielen in ausverkauften Stadien. Deshalb tat sie nichts anderes, als Fußball zu spielen. Sie stand mit dem Ball auf und ging mit ihm ins Bett. Das machte sie zu einer Außenseiterin, aber Sport war ihr Ventil. Ihr Halt.
Sie schaffte es ins Jong Oranje, verdiente auch im Straßenfußball ihre Sporen und tourte als einzige Frau mit Edgar Davids’ Street Legends um die Welt. Und doch kam der größte Gamechanger seltsamerweise von außerhalb des Feldes. Mit achtzehn reiste Rocky mit einer Fernsehsendung nach Rio de Janeiro und landete in einer Favela. Ein Viertel voller Armut und Gewalt, aber in dem Moment, als der Ball zu rollen begann, entstand plötzlich Freude und Verbindung. Da fühlte sie: Das ist die Kraft des Sports.
Fußball ist viel mehr geworden als nur selbst zu scoren. Es ist ein Mittel, um Jugendlichen zu zeigen, dass sie eine neue Generation von Vorbildern sind.
Als eine Knieverletzung ihrer Profikarriere ein Ende setzte, beschloss sie, Favela Street zu gründen. Ein persönliches Entwicklungsprogramm, das Jugendliche durch Straßenfußball zu Vorbildern ausbildet. Basierend auf der Philosophie: Wenn du das Beste aus dir herausholst, kannst du einen positiven Unterschied in deiner Gemeinschaft machen. Rocky wollte den Jugendlichen das Gefühl vermitteln, dass sie etwas sein können. Dass sie zählen. Damit sie sich von dem Bild lösen können, das die Gesellschaft auf sie projiziert.
Wenn dir etwas oft genug gesagt wird, glaubst du es irgendwann. Viele Jugendliche haben nicht oft genug gehört, dass sie Superhelden sind.
Favela Street ist mittlerweile in Brasilien, Haiti, Curaçao und im Sudan aktiv. Nach Jahren der Arbeit mit Jugendlichen aus allen Ecken – von Slums bis zu weiterführenden Schulen und Jugendgefängnissen – hat Rocky ihren Ansatz in einer eigenen Methodik festgehalten. Ein wissenschaftlich fundiertes und messbares Programm, das soziale Ausgrenzung mit kognitiven verhaltensbezogenen Techniken angeht, wobei kontinuierlich auf den Glauben an die eigenen Fähigkeiten geachtet wird. So erhöht Favela Street für diese Jugendlichen die Chancen auf eine positive Zukunft.
Dieser neue Blick auf Entwicklungszusammenarbeit hat Auswirkungen. Favela Street arbeitet eng mit dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten zusammen. Sie ist Beraterin für Organisationen wie Nike und UEFA und sowohl national als auch international eine gefragte Rednerin. Darüber hinaus gibt Rocky Masterclasses in „Turn your skills into value“. Der britische Rundfunk hat sie in die ‚BBC 100 Women‘ aufgenommen und sie erhielt eine Nominierung für die ‚World’s Most Innovative Women‘, neben unter anderem Michelle Obama und der Friedensaktivistin Zahra’ Langhi.
Ihr letzter Erfolg auf dem Feld? Der war virtuell: Du findest sie als erste weibliche Figur in FIFA20 – trotzdem noch diese vollen Stadien! Im Vordergrund steht meine Mission, gerade neue Generationen zum Scoren zu bringen. Die einzigartige Methodik von Favela Street kombiniert mit ihrer Erfahrung im Profifußball sorgt dafür, dass sie Menschen wie niemand sonst in Bewegung versetzen kann. Sowohl in benachteiligten Vierteln weit weg von zu Hause als auch im Unternehmenssektor in den Niederlanden. Mit und ohne Ball an ihren Füßen.