Prof. Dr. Herman Philipse studierte Rechtswissenschaften an der Universität Leiden (Staatsexamen 1973) und Philosophie an der Universität Leiden, Paris und Köln (Staatsexamen 1974 mit Auszeichnung). Nach seiner Tätigkeit an der Universität Leuven kehrte er 1978 nach Leiden zurück, wo er 1983 ...
Prof. Dr. Herman Philipse studierte Rechtswissenschaften an der Universität Leiden (Staatsexamen 1973) und Philosophie an der Universität Leiden, Paris und Köln (Staatsexamen 1974 mit Auszeichnung). Nach seiner Tätigkeit an der Universität Leuven kehrte er 1978 nach Leiden zurück, wo er 1983 über die Philosophie der Logik von Edmund Husserl promovierte. 1985 wurde er zum Professor für Philosophie an der Universität Leiden ernannt. Seit dem 1. September 2003 ist er Universitätsprofessor an der Universität Utrecht, eine prestigeträchtige Position, die es dem betreffenden Wissenschaftler ermöglicht, seine Zeit nach eigenem Ermessen für Forschung, Lehre oder gesellschaftliche Dienstleistungen zu verwenden. Er forscht im Bereich der modernen und zeitgenössischen Philosophie.
Herman Philipse hat sich als Wissenschaftler einen Namen gemacht, ist aber auch aktiv im gesellschaftlichen Diskurs. Seit vielen Jahren schreibt er Artikel in Zeitungen über Theologie, Moral und allgemeine gesellschaftliche Fragen. Er hat über hundert Bücher veröffentlicht. 1995 erlangte er nationale Bekanntheit mit seinem Buch ‘Atheistisches Manifest’. Sein Buch sorgte damals für viel Aufregung.
Im ‘Atheistischen Manifest’ werden Fragen aufgeworfen wie: Können moralische Normen durch einen Verweis auf den Willen Gottes gerechtfertigt werden? Und: Wie steht es um die Beweiskraft von Wundern oder einer Auferstehung? Zudem weist er auf Widersprüche und falsche Schlussfolgerungen hin, die zwangsläufig aus einer logischen Argumentation über Religionen und religiöse Behauptungen folgen. So muss jemand, der an den Gott einer Religion glaubt, die Existenz eines oder mehrerer Götter in anderen Religionen ablehnen. Und wer behauptet, dass Juden, Christen und Muslime eigentlich denselben Gott anbeten, gerät in Schwierigkeiten, wenn die Frage aufkommt, warum sich dieser eine Gott gegenüber verschiedenen Menschen so unterschiedlich offenbart hat. 2004 erschien eine zweite, überarbeitete Auflage des ‘Atheistischen Manifests’ mit einem Vorwort des Abgeordneten Ayaan Hirsi Ali und vier Essays über die Unvernunft der Religion, in denen das Verhältnis von Wissenschaft und Religion im Mittelpunkt steht.
Nach dem 11. September 2001 beschloss Herman Philipse, sich intensiver in die öffentliche Debatte über Religion, Moral und Politik einzubringen. Seiner Meinung nach müssen Intellektuelle in dieser Zeit Verantwortung übernehmen. Er möchte seine technisch-philosophische Forschung mit dem Schreiben und Reden über Religion verbinden.
Als Kolumnist der Fernsehsendung ‘Buitenhof’ mischt sich Herman Philipse in die gesellschaftliche Debatte ein. Er hält regelmäßig Gastvorträge im Ausland, darunter eine jährliche Reihe von acht Vorlesungen an der Universität Oxford. Darüber hinaus hält er regelmäßig Vorträge zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen.