Roger Chartier, geboren in Lyon am 9. Dezember 1945, ist ein französischer Historiker, der der historiographischen Richtung der Annales-Schule zugeordnet wird. Er beschäftigt sich mit der Geschichte des Buches, des Verlagswesens und des Lesens.Absolvent der École Normale Supérieure in Saint ...
Roger Chartier, geboren in Lyon am 9. Dezember 1945, ist ein französischer Historiker, der der historiographischen Richtung der Annales-Schule zugeordnet wird. Er beschäftigt sich mit der Geschichte des Buches, des Verlagswesens und des Lesens.
Absolvent der École Normale Supérieure in Saint Cloud und der Sorbonne, unterrichtete er zunächst als Professor am Lycée Louis-le-Grand in Paris. Später wurde er Dozent und dann Direktor von Studien an der EHESS. Roger Chartier war Visiting Fellow an renommierten nordamerikanischen Universitäten (Princeton, Yale, Berkeley, Cornell…). Im Jahr 2006 wurde er Professor am Collège de France und Inhaber des Lehrstuhls „Schrift und Kulturen im modernen Europa“.
Roger Chartier war Direktor des Zentrums für Historische Forschung der EHESS (1982-1986), dann Direktor des Zentrums Alexandre Koyré (1989-1998) und Direktor des Internationalen Zentrums für Synthese-Stiftung für Wissenschaft (1993-1997). Er war auch Präsident des Wissenschaftlichen Rates der Bibliothèque de France (1990-1994) und Mitglied des Wissenschaftlichen Rates für die Hochschulforschung beim Minister für Hochschulbildung und Forschung (1990-1994).
Er co-produziert und moderiert die Sendung Les Lundis de l’Histoire auf France Culture. Er war Mitarbeiter der „Bücher“-Seiten von Libération und ab 1988 des Monde des Livres.
Roger Chartier erhielt unter anderem für seine Arbeiten als Historiker den Annual Award der American Printing History Association (1990) und den Grand Prix d’Histoire (Prix Gobert) der Académie Française (1992).
Zu seinen Veröffentlichungen gehören: L’Éducation en France du xvie au xviiie siècle (Société d’édition d’enseignement supérieur, 1976), Histoire de l’édition française (Herausgabe mit Henri-Jean Martin, 4 Bände, Fayard, 1983–1986), Les Origines culturelles de la Révolution française (Seuil, 1990), Le Livre en révolutions, Gespräche mit Jean Lebrun (Textuel, 1997), Histoire de la lecture dans le monde occidental (Herausgabe mit Guglielmo Cavallo, Seuil, 1997), Inscrire et effacer (Seuil, 2005), Au bord de la falaise. L’histoire entre certitudes et inquiétude (Albin Michel, 1998), Le sociologue et l’historien (mit Pierre Bourdieu, Agone/Raisons d’agir, 2010), Ecouter les morts avec les yeux (Fayard, 2008), Cardenio entre Cervantes et Shakespeare (Gallimard, 2011).