© Guido van Nispen
Julia Janssen ist Designforscherin, spezialisiert auf die Untersuchung der Auswirkungen von Technologie auf die Gesellschaft.
Zusammenfassung
Julia Janssen ist Designforscherin, spezialisiert auf die Untersuchung der Auswirkungen von Technologie auf die Gesellschaft: die sich verändernde Definition von Privatsphäre, die Bedeutung von Eigentumsrechten für persönliche Daten, der monetäre Wert von Online-Verhalten und die Zukunft unserer (digitalen) Identität. Neben einer kritischen Haltung gegenüber Technologiegiganten betont Janssen den Wert der Bereitstellung genauerer Daten zum Nutzen der individuellen und kollektiven Lebensqualität.
In ihren Projekten und Präsentationen übersetzt sie Studien und Ideen in zugängliche, visuelle Ausdrucksformen. Auf diese Weise bietet sie Einblicke in die Welt, die sich hinter der Oberfläche des Internets abspielt, und schafft innovative Perspektiven auf die Zukunft der Datenwirtschaft.
Das Ziel ihrer Präsentationen ist es, neue Systeme und Anwendungen zu motivieren und zu inspirieren, um eine sichere und ehrliche datengestützte Zukunft zu gewährleisten.
Themen
Julia Janssen arbeitet aus dem Studio Julia Janssen, einem unabhängigen Designstudio für Designforschung. Von diesem Studio aus arbeitet sie an Forschungsprojekten zu Eigentumsrechten persönlicher Daten. Dies manifestiert sich in mehreren Themen: dem monetären Wert von Online-Informationen (z.B. Werbemodelle, Freemium-Dienste und Inhaltserstellung), Datenschutzbedingungen (Trusted Third Party Hosting Networks, GPDR), physischer und digitaler Identität sowie möglichen Methoden, um den Produkten der Datenkontrolle in Zukunft Kontrolle über ihre Daten zu geben.
Während ihrer Forschung arbeitet sie mit verschiedenen Experten in den Bereichen Informationsrecht, Cybersicherheit, Softwareentwicklung, Datenjournalismus, Datenwissenschaft, Finanz- und Politikwissenschaft, Verhaltenswissenschaft, Innovation, Beratung und Philosophie zusammen und/oder spricht mit ihnen. Durch diese interdisziplinären Aktivitäten und außergewöhnlichen Kooperationen zeigt Janssen den Mehrwert von Künstlern und Designern in einem wissenschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Kontext und hofft, mehr Kooperationen zu fördern.
Hintergrund
Janssen hat als Grafikdesignerin am ArtEZ College of the Arts in Arnhem (2012-2016) abgeschlossen. Während ihres Studiums bemerkte sie ein wachsendes Interesse an sozialer und politischer Engagement sowie an der Erforschung des Inhalts und der Ästhetik. Für sie wurde Design zu einem Werkzeug, um aktuelle Entwicklungen aus einer kritischen Perspektive zu beleuchten und komplexe, unzugängliche Mechanismen offenzulegen.
Janssen kam während ihres Abschlussprojekts erstmals mit Daten in Kontakt. Sie erforschte den monetären Wert persönlicher Daten im Zusammenhang mit einem Grundeinkommen und visualisierte dies in einer Installation mit dem Titel ‘Bank of Online Humanity’. Die Botschaft dieses Werkes war “Wir leiden unter Daten-Sklaverei”. Mit diesem Projekt gewann sie 2016 den Crypto Design Award. Ein entscheidender Moment in ihrer Karriere, der sie dazu brachte, ihre Praxis als Designerin diesem Statement zu widmen. Seitdem arbeitet sie an der Entwicklung innovativer Konzepte im Vorfeld einer datengestützten Gesellschaft.
2017 erhielt sie ein Stipendium für Talententwicklung vom Stimuleringsfonds Creative Industrie und ein Innovationsstipendium vom SIDN-Fonds. Mit dieser finanziellen Unterstützung arbeitete sie 16 Monate an der Installation mit dem Titel The Attention Fair. Eine Installation, die aus zwölf Spielen, Visualisierungen und Experimenten besteht, um ihrem Publikum Einblicke in die komplexe Welt der Datenwirtschaft zu geben.
Die Sprecherin
Julia Janssen hat keinen akademischen Hintergrund als Datenschutzanwältin, Ökonomin oder Datenwissenschaftlerin. Das macht ihre Position einzigartig. Sie hat eine intrinsische Motivation, Wissen über Daten und Technologie zu erwerben. Aufgrund ihres Hintergrunds als Grafikdesignerin kann sie diese Informationen in Visualisierungen, Experimente und Spiele umsetzen, um komplexe Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Ihre Projekte bestehen in der Regel aus mehreren Schichten. Je nach Wissen des Betrachters werden die tieferen Schichten sichtbar. Die Erfahrung zeigt, dass ihre Installationen und Präsentationen für den ‘Laien’ als Augenöffner erlebt werden und von den ‘Fachleuten’ als innovative Perspektive oder präzise Reflexion wahrgenommen werden.
Obwohl ein großer Teil ihrer Forschung auf die Engpässe der aktuellen Datenlandschaft fokussiert ist, hat sie eine sehr positive Sicht auf eine datengestützte Gesellschaft. Sie bezeichnet sich selbst als kritische Tech-Optimistin. Julia Janssen wurde 1994 geboren und wuchs mit dem Internet auf. In ihrer Jugend erlebte sie die Einführung des Smartphones, WLAN, sozialer Medien, Online-Kommunikation und das Wachstum des Online-Shoppings. Dies gibt ihr ein anderes Verständnis von Technologie und eine frische Perspektive auf die Rolle dieser Dienste in unserem Leben.
Janssen beansprucht nicht, die Expertin auf diesen einzelnen Gebieten zu sein. Sie studiert aktuelle Entwicklungen und sammelt Wissen aus Disziplinen, die das Thema Daten berühren, um ihre Leistung zu verbessern.